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Schwindler auf dem Vormarsch
18. Jänner 2008
Erfolgreich gegen Schwindler und Betrüger: Im vergangenen Jahr wurden von der Wirtschaftskammer Vertragsstornos von über 100 000 Euro erreicht.
Schwindler und Betrüger versuchen ihr Glück allzu oft bei Unternehmern. Martin Sablatnig, Experte aus dem WK-Servicezentrum, kann davon ein Lied singen. Manche Betrüger gehen beim Anzeigen- oder Erlagscheinschwindel, dem Branchenregister-Unwesen oder dem Schwindel im Zusammenhang mit kostenpflichtigen Internet-Angeboten besonders dreist vor.
"Die Druckmaschine steht still - unterschreiben Sie"
Ein Unternehmer schaltet eine Anzeige - beispielsweise in einem Stadtplan. Die Betrüger sehen das Inserat und rufen beim Unternehmer an. Sie erzählen ihm, dass der Stadtplan kurz vor dem Druck sei, die Druckmaschine aber stehe, weil man vom Unternehmer noch eine Freigabe benötigen würde. Wenn er nicht schnellstmöglich ein Fax unterschreiben und zurückschicken würde, entstehe grosser finanzieller Schaden.
Gesendet wird aber nicht die Freigabe für einen Bürstenabzug, sondern ein Vertrag. Mit der Unterschrift gibt der Unternehmer den Schwindlern den Auftrag, sein Inserat zu einem horrenden Preis in einer Broschüre zu schalten, die eine Auflage von 200 Stück hat.
Aber nicht nur über Telefon und Fax versuchen sich Betrüger zu bereichern - auch im Internet probieren die Schwindler, den Unternehmern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Oben steht gratis, die Kosten sind versteckt

"Unternehmer berichten mir immer wieder, dass sie auf verschiedenen Seiten nur einmal 'vorbeigesurft' sind und dabei gleich einen Vertrag abgeschlossen haben", erzählt Martin Sablatnig.
Auf solchen Homepages werden verschiedene Dienste gratis angeboten - auf der Seite versteckt sind dann aber irgendwo trotzdem Kosten ersichtlich. Oft geht man einen Vertrag mit den Betrüger ein und verpflichtet sich, beispielsweise ein Abo zu kaufen, für das zwei Jahre lang 90 Euro pro Monat zu bezahlen sind. Generell gilt: Wenn im Internet Kontaktdaten abgefragt werden, ist Vorsicht geboten.
Auf Internetseiten wie www.ombudsmann.at oder auf der Homepage des Österreichischen Adressbuchverlages unter www.oavv.at finden Unternehmer eine Watchlist der derzeit aktivsten Firmen mit fragwürdigen Werbemethoden.
Was tun, wenn man einen Vertrag unterzeichnet hat?
"Das Problem besteht darin, dass viele dieser Verträge zwar 'moralisch' bedenklich, aber rechtlich auf den ersten Blick bindend sind. Wenn ein Unternehmer irrtümlich einen Vertrag abgeschlossen hat, wendet er sich am besten ans WK-Servicezentrum", schlägt Sablatnig vor.
Das Servicezentrum unterstützt und hilft Betroffenen. Rund 350 Unternehmer haben sich im Vorjahr wegen Telefon-, Fax- oder Internetbetrug bei der Wirtschaftskammer gemeldet.
Ihnen konnte vom Servicezentrum in 100 Prozent der Fälle geholfen werden. Insgesamt wurden Vertragstornos von knapp 101.500 Euro erzielt.
Die Dunkelziffer bei dieser Form des Betruges sei aber sehr hoch, gibt Sablatnig zu bedenken. Er schätzt sie auf 80 bis 90 Prozent - damit werden jährlich Millionenbeträge ergaunert.
Besonders wichtig ist es auch, die Mitarbeiter über betrügerische Machenschaften aufzuklären, denn auch sie können bindende Unterschriften für das Unternehmen tätigen. Oft findet erst der Steuerberater am Ende des Jahres fragwürdige abgeschlossene Verträge.
Katrin Kores
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