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Pressebericht -  Viel Geld für nichts
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Quelle: FOCUS
06.08.2001
INTERNET
Viel Geld für nichts
Mit irreführenden Formularen kassieren dubiose Adressfirmen Millionen von Mark
Es klang so harmlos. "Eintragungsantrag und Korrekturabzug" stand auf dem Fax des Online-Verlags Ratingen an die Thoma Film- und Videotechnik. Mitarbeiterin Andrea Ederin überflog das Formular, korrigierte wie gewünscht die Firmendaten und faxte es zurück, damit ihr Arbeitgeber korrekt im scheinbar kostenlosen Online-Verzeichnis firmenanzeiger.de aufgeführt würde.
Statt eines Gratis-Eintrags erhielt die Film-Firma jedoch eine Rechnung über 1652 Mark netto. "So viel müssen wir nun einmal pro Jahr wegen dieses für uns nutzlosen Vermerks in einem Internet-Datenfriedhof berappen", schimpft die Angestellte. Der Haken: Exakt dieser Betrag steht auch im Fax-Formular - allerdings sehr klein und gut versteckt.
Rücktritt? Fehlanzeige. Wer das Formular unterschreibt, wird zur Kasse gebeten. Verweigerer erhalten rasch Mahnungen und Anwaltsschreiben.
Immer wieder fallen Unternehmer und ihre Angestellten auf scheinbar kostenlose Adresssammler wie den OnlineVerlag herein. Nach FOCUS vorliegenden Unterlagen des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf hatte der Verlag 832 961 Adressaten angeschrieben. Immerhin etwa 2500 von ihnen faxten die Offerte unterschrieben zurück. Diese Erfolgsquote erscheint gering, bescherte dem Verlag aber Forderungen in Höhe von wohl mehr als acht Millionen Mark.
Lukrative Masche. An die hundert Datenjäger sind bei Wettbewerbsschützern und Gerichten bereits bekannt. Sie agieren zumeist nach zwei Mustern: Mal schicken sie ein als Rechnung aufgemachtes Angebot und verlangen fiktive Gebühren. Oder aber sie arbeiten mit ähnlich täuschenden Formularen wie der Online-Verlag Ratingen.
Viele Betroffene wollen den Vertrag stornieren. Der Versuch, sich gütlich mit den Adressenjägern zu einigen, schlägt regelmässig fehl. Der Verlag ist Mahnschreiben und Rechtsstreitigkeiten gewohnt. Aus diesem Grund raten etliche Anwälte ihren Klienten sogar oft voreilig, die Rechnung lieber zu zahlen.
Lohnende Gegenwehr. Inzwischen sind bereits Kunden wegen der in ihren Augen ungerechtfertigten Forderungen vor Gericht gezogen. Im Juli entschied das Amtsgericht Berlin-Lichtenberg (AZ: 7C 63/01), dass die vom Online Fachverlag Ingolstadt geworbene Rechtsanwaltskanzlei Schick & Struss ihre Rechnung nicht bezahlen muss. Auch Michael Plümpe, Inhaber der Berliner Ergo-Film, erwartet ein Urteil zu seinen Gunsten.
Die Hintermänner der dubiosen Datensammler sind oft einschlägig bekannt. Nach Unterlagen des OLG München wirbt Ludwig Henghuber, Gesellschafter des Online-Verlags Ratingen, gemeinsam mit elf anderen Unternehmen für seine Datenbank. Gegen zwei von Henghubers Firmen sind Verfahren beim Bundesgerichtshof anhängig.

WIE SICH FIRMEN GEGEN DATENJÄGER SCHÜTZEN KÖNNEN

Juristisch gesehen sind die Verträge der Adressbuch-Trickser häufig wasserdicht. Ist das Angebot irreführend, können sich Betroffene jedoch gegen die Forderungen wehren.
- Retten Sie ihr Geld
Falls Sie bereits bezahlt haben, versuchen Sie, die Bankbuchung innerhalb von zwei Wochen rückgängig zu machen.
- Verlieren Sie keine Zeit
Drohen Sie dem dubiosen Rechnungssteller damit, den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anzufechten.
- Setzen Sie eine Frist
Sprechen Sie vorsorglich eine Kündigung aus, und fordern Sie die Firma unter Fristsetzung auf, den geleisteten Betrag zurückzuerstatten.
- Holen Sie sich Rechtshilfe
Sollte der Verlag die Zahlung einklagen, schalten Sie einen Anwalt ein, um sich erfolgreich zu wehren.
- Tipps für Leidensgenossen
Weitere Fälle, in denen Betroffene gegen andere Online-Verlage vor Gericht gesiegt haben, liefert die Internet-Seite eines Opfers: www.ergo-film.de, "Schwarze Schafe", nennt etwa den Online Fachverlag Ingolstadt (www.online-branchenregister.de) und den Online-Gewerbedaten-Verlag in Kösching (www.online--gewerbedaten.de).
Der Fall - Der Nepp mit dem Branchenbucheintrag
Stiftung Warentest | Oktober 2009
Polizei ermittelt gegen Adressbuch-Mafia.
TA | 07.08.2009
DSW warnt vor Adressbuchschwindlern
2009
Vorsicht vor falschen Gelben Seiten! 2008
Opfer des KleingedrucktenSüddeutsche | 04.12.2002
Bauernfängerei aus Ingolstadt
Tagesspiegel | 1995
Schon wieder Ärger mit fingierten Rechnungen
Stuttgarter Zeitung | 09.11.1994