vom 17.03.2007
Deggendorfer Familie ergaunert 1,3 Millionen
Fingierte Rechnungen an Firmen und Privatpersonen verschickt - Opfer fielen zu Tausenden auf den Trick herein
von Isabel Metzger
Deggendorf/Bochum. Mit fingierten Rechnungen hat eine fünfköpfige Familie aus dem Landkreis Deggendorf 1,3 Millionen Euro ergaunert. Die Bande verschickte Zahlungsaufforderungen an Tausende Firmen und Privatpersonen im gesamten Bundesgebiet. Zwei Jahre lang konnten die drei Männer und zwei Frauen ihr Unwesen treiben, ehe sie nun von einer Sondereinheit des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes geschnappt wurden.
Bei dem Haupttäter handelt es sich um einen 37-Jährigen, der bereits einschlägig vorbestraft ist und die Taten während seiner Bewährungszeit begangen hat. Seine Komplizen waren seine ein Jahr ältere Ehefrau, seine Mutter (55) und seine Brüder im Alter von 23 und 36 Jahren.
Namen stammten aus dem Bundesanzeiger
Die Niederbayern hatten es leicht, an die Namen und Adressen ihrer Opfer zu kommen. Die besorgten sie sich aus dem Bundesanzeiger, dem amtlichen Mitteilungsblatt des Bundes. Dabei hatte es die Familie nur auf Unternehmen und Personen abgesehen, die erst kurz zuvor kostenpflichtige Bekanntmachungen in Handelsregistern, im Patentblatt und im Markenblatt veröffentlicht hatten. An ihre Opfer sandte die Bande ein Schreiben, in dem sie die Aufnahme in eine von ihnen eingerichtete nutzlose Datenbank im Internet anbot. Dem Brief, der im Namen verschiedener ausländischer „Verlagsgesellschaften“ verfasst war, fügten die Täter einen EU-Überweisungsträger bei.
Die Opfer fielen zu Tausenden auf den Trick herein. Denn durch die Gestaltung und die Wortwahl des Schreibens glaubten die Empfänger, dass es sich um Rechnungen für die öffentliche Registrierung im Bundesanzeiger handelt - und sie überwiesen reihenweise die Rechnungssummen zwischen 200 und 700 Euro.
Der Schwindel flog deshalb so lange nicht auf, da die Betragshöhe geschickt gewählt gewesen sei, sagte Frank Scheulen, Sprecher des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes, gestern gegenüber der PNP. „Solche Summen sind
Opfer in Bochum hatte Betrug erkannt
beispielsweise für mittelständische Firmen gering, so dass keine Kontrollmechanismen anspringen.“ Die Gelder gingen auf Konten in Litauen, Österreich und der Tschechischen Republik.
Ein Opfer in Bochum schöpfte allerdings Verdacht und erstattete Strafanzeige. Seit Juni 2005 war nun die Ermittlungskommission „Biss“ (Betrug durch Insertionsschreiben) des Landeskriminalamtes in Nordrhein-Westfalen und der Staatsanwaltschaft in Bochum den Tätern auf der Spur. Erst im Rahmen eines bundesweiten Sammelverfahrens und durch umfangreiche Ermittlungen im In- und Ausland konnten die Täter im Raum Deggendorf ausfindig gemacht werden.
Gegen den 37-Jährigen und seine vier Komplizen wurde beim Landgericht Bochum Anklage wegen mehrfachen gemeinschaftlichen gewerbsmässigen Betrugs, Beihilfe zum Betrug und Steuerhinterziehung erhoben. Die Betrüger-Familie ist bis zum Prozessauftakt auf freiem Fuss. Ein Termin steht noch nicht fest. |