© Facts, 2006-02-16; Seite 54; Nummer 7, Wirtschaft
Adressenverzeichnis |
Peinlich
für die Schweiz |
Eintragungen in Firmenregister
sind legal, manchmal nützlich und in speziellen Fällen unanständig
teuer. Weltweit fühlen sich Tausende betrogen von einem
Innerschweizer Firmennetz.
|
Man ist genervt in den Schweizer Botschaften.
Unternehmen aus aller Welt beschweren sich bei den Diplomaten über
ein Innerschweizer Firmenkonglomerat, das mit teuren Adressbucheinträgen
weltweit geschäftet.
|
In Grossbritannien hat sich ein Mitglied
des Europaparlaments des Falls angenommen. In Polen und Tschechien
sind Gerichte angegangen worden. |
Im Zentrum des Wirbels stehen die Firmen Novachannel in Luzern
sowie die Inkasso-Unternehmen Ovag International in Meggen
LU und Premium Recovery in Cham. Gegen ihre Führungskräfte
läuft ein Strafverfahren wegen Verdachts auf unlauteren
Wettbewerb. Beauftragt wurde es vom Staatssekretariat für
Wirtschaft (Seco).
|
Beschwerden rund um den Erdball |
1300 Beschwerden sind in den letzten drei Jahren bei Schweizer
Botschaften und in Bern eingetroffen. Gegen Novachannel allein
500 bis 600. Aus Frankreich rund 240, aus Grossbritannien etwa
80. Sogar aus den USA und Australien kamen Reklamationen.
|
«Ein
wahnsinnig grosser Fall, was den Kreis der Betroffenen anbelangt»,
sagt Untersuchungsrichter Max Gauglitz. Die Methoden dieser Firmen
sind simpel, aber effektiv: Die Registerfirma verschickt Formulare
an Unternehmen, in denen sie um die Überprüfung ihres
Eintrags in einem Geschäftsadressenverzeichnis bittet. Dass
aber der Eintrag rund 1000 Euro kostet, steht im Kleingedruckten.
Mit der Unterschrift verpflichten sich die Betroffenen für
drei Jahre. Macht 3000 Euro. Werde nicht gezahlt, versuchten die
Inkasso-Firmen «mit grossem Druck», das Geld einzutreiben,
sagt Gauglitz.
|
Nachdem das Seco letzten September die Strafuntersuchung
bekannt gemacht hatte, wurde die Beschwerdeflut noch grösser:
Gegen 300 Reklamationen sind seither hereingeflattert. |
Novachannel-Geschäftsleiter Michael Röwe war für
eine Stellungnahme nicht erreichbar. In früheren Aussagen
bezeichnete er den Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs als «haltlos
und absurd». Der Strafantrag gegen die Inkasso-Firmen datiert
bereits aus der ersten Hälfte des Jahres 2004. Dann lag der
Fall bis Februar 2005 beim Amtsstatthalteramt in Luzern.
|
«Wegen
der starken Zunahme der Beschwerden» seit Anfang 2005 der
Strafantrag gegen Novachannel nachgereicht worden, sagt Guido Sutter. |